
Architektur und Natur
Nach ihrer Gründung 1947 war die Staatliche Akademie für Verwaltungswissenschaften Speyer, schon 1950 umgetauft in Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer, in der eng bebauten und seit 1689 nicht mehr zerstörten Altstadt von Speyer untergebracht. Das damals ausgewählte Gebäude in der Johannesstraße 28, eine frühere Lehrbildungsanstalt, ist heute Sitz des Finanzamtes Speyer-Germersheim.
Später wurde der damaligen Verwaltungshochschule im Südwesten von Speyer ein bis dato unbebautes Campus-Gelände zugewiesen. Die in Nord-Südrichtung verlaufende Haupterschließungsstraße zur Dudenhofener Straße taufte die Stadt passend zur Verwaltungshochschule zu Ehren des großen preußischen Verwaltungsreformers Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein auf den Namen Freiherr-vom-Stein-Straße. Die in Ost-West-Richtung verlaufende zweite Erschließungsstraße, die den Campus nach Süden abschließt, wurde zu Ehren des Vaters des Verwaltungsverfahrensgesetzes Otto-Mayer-Straße getauft.
Die Gestaltung des Universitätscampus 1959/1960 durch ein Gebäudeensemble samt grünen Innenhöfen und zugehörigem Park durch den Architekten Sep Ruf steht in der Tradition, die der Architekt Mies van der Rohe mit seinem berühmten Barcelona-Pavillon auf der Weltausstellung 1929 begründet hat.
Die Gebäude zählen in Rheinland-Pfalz zu den wenigen existierenden Zeugnissen des "Neuen Bauens" der 50er und 60er Jahre in Bauhaustradition. Typisch ist die architektonisch fließende Wechselbeziehung von Innen- und Außenräumen, überdachten Vorbereichen und der leichte Umgang mit Baukörpern, der Sachlichkeit, Ruhe und Individualität ausstrahlt.
Die Bauwerke auf dem Campus
Der Kern des kleinen Campus am westlichen Rand der Stadt Speyer wurde 1959 bis 1960 von dem bekannten, in der Tradition des Bauhauses stehenden Nachkriegsarchitekten Sep Ruf gebaut. Das Lehrgebäude mit Bibliothek und akademischer Verwaltung, in dem Sep Ruf sein Ziel, die Natur in das Gebäude zu integrieren, mit drei Garten-Innenhöfen, Glaswänden nach außen, Scherwänden, mit denen die Hörsaalwände in die Natur verlängert werden, und vorkragenden Flachdächern als Verlängerung der Zimmerdecken ins Freie verwirklicht hat, gilt als besonders gelungen. Der ursprüngliche Kern des Campus steht als Ensemble unter Denkmalschutz.
Im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler Kreisfreie Stadt Speyer der Generaldirektion Kulturelles Erbe ist die Universität als Denkmalzone wie folgt eingetragen:
..in eine große Grünzone eingebetteter Komplex: Schulgebäude als eingeschossiger verklinkerter Betonbau mit Glaswänden, dreigeschossiges Studentenwohnheim, Mensa und Trafostation 1958ff. Arch. Sep Ruf, München, 1968 Bibliothekserweiterung